Erbrecht in Griechenland

Fortsetzung Erbrecht in Griechenland

posted by admin Mai 8, 2007 60 Comments

Die Sterbeurkunde (liksiarchiki praksi thanatu) ist in dreifacher Ausfertigung bei der zuständigen griechischen Gemeinde (dimos) zu beantragen; damit ist eine Negativbescheinigung des zentralen griechischen Nachlassregisters (kentriko mitroo diathikon) anzufordern, dass keine anderweitige Todesfallverfügung des Erblasser hier in Griechenland vorliegt.

Die Beibringung der erforderlichen Unterlagen aus dem Heimatland erfordert oft einen hohen Zeitaufwand, so dass man Gefahr läuft, griechische Abgabetermine nicht einhalten zu können, was auch wiederum zu erheblichen Zeitverzögerungen führt und letztlich zu Verzugszinsen und Strafzahlungen führen kann.

In Griechenland ist eine Erbschaftsannahmeerklärung (apodochi klironomias) erforderlich, sofern Immobilien geerbt werden.
Ist unklar, ob der Nachlass verschuldet ist, kann man die Erbschaft mit dem Privileg der Inventarerrichtung annehmen.
Dann sind eventuelle Verbindlichkeiten nur auf den Wert des Nachlasses beschränkt und der Erbe haftet nicht für die gesamten Nachlaßverbindlichkeiten. Sodann ist die Erbschaftssteuererklärung gegenüber einen griechischen Notar abzugeben.

Erbschaftsteuer

Die Übertragung von Vermögenswerten insgesamt, das heißt nicht nur von Immobilien, im Erbschafts- oder Schenkungsfall ist in Griechenland wie auch in Deutschland steuerpflichtig.

Also ist die Grundlage der Berechnung der griechischen Erbschafts- oder Schenkungssteuer das gesamte Vermögen des Erblassers oder Schenkenden.

Zu beachten ist, dass die Steuersätze in Griechenland um einiges höher liegen und die Freibeträge niedriger sind als in anderen EU-Ländern. Dies ergibt sich bereits aus dem Umstand, dass die offiziellen Einheitswerte, auf deren Grundlage die Besteuerung von Immobilien stattfindet, sehr niedrig sind.

Die Steuersätze liegen zwischen 0 % bei einem Vermögen bis zu 80.000 € die von näheren Verwandten geerbt wird, und steigen progressiv auf bis zu 40 %.

Die Freibeträge unter Ehegatten und Abkömmlingen ersten Grades und für Enkelkinder sind 80.000 €, unter Verwandten 2. und 3. Grades 15.000 €, und für entferntere Verwandtschaftsgrade oder nicht Verwandte 5.000 €.

Bei Schenkungen kommen die gleichen Steuersätze zur Anwendung.

Beispielberechnung:

Bei seinem Ableben hinterlässt der A gemäß der Berechnung des zuständigen Finanzamtes ein ausschließlich aus Immobilien bestehendes Vermögen im Wert von 200.000 €, das seine Gattin S und sein Sohn B zu gleichen Teilen mit einem jeweiligen Anteil von ½ erben.

In diesem Fall erhält jeder von ihnen ein Vermögen im Wert von 100.000 €.

Die Steuer wird für jeden Erben getrennt berechnet, folglich wird jeder der S und B für den Betrag von 100.000 € besteuert.

Der Berechnungsfaktor für den Betrag von 80.000 € „0“ ist, er ist also steuerfrei.

Ab dem Betrag von 80.000 € und bis zu dem Betrag von 100.000 € werden alle dazwischen liegenden der Erbschaft entsprechenden Beträge mit 5% besteuert.

Folglich werden von dem Wert von 100.000 € für beide Berechtigten die ersten 80.000 € von der Besteuerung befreit und die übrigen 20.000 € mit 5% besteuert.

Somit 20.000 € X 5% = 1.000 €. Demnach werden sowohl die S als auch die B aufgefordert, jeder einen Steuerbetrag von 1.000 € zu zahlen.

Hinweis:

Einen ausführlichen Überblick über das griechische Erbrecht, sowie über erbrechtliche Fragen im deutsch-griechischen Rechtsverkehr finden Sie in dem Buch „Internationales Erbrecht Griechenland –“ der Anwaltsgesellschaft Kosmidis & Partner.

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60 Comments

Katarina Müller Juni 29, 2007 at 12:45 pm

Guten Tag,
mein Vater ist Grieche und hat in GR ein Haus (und auch dort seinen Wohnsitz, keinen mehr in Deutschland), seine Ehefrau und Töchter sind Deutsche (keinen griechischen Pass) und wohnen in Deutschland. Was ist im Erbfall zu bedenken?

Wäre eine Schenkung im Lebensfall steuerlich zu bevorzugen?
Ein Testament gibt es bislang nicht.
Weder Töchter noch Ehefrau stehen im Grundbuch.
Danke für Ihre Auskunft.

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AnwaltsGesellschaft Juni 29, 2007 at 4:19 pm

Das Erbstatut richtet sich nach der Staatsangehörigkeit des Erblassers. Da Ihr Vater die griechische Staatsangehörigkeit besitzt, richtet sich das Erbrecht -Nachlaßverfahren nach griechischem Recht. Nach dem griechischen Erbrecht erben die Kinder etwas mehr wie die Ehefrau im Verhältnis zum deutschen Recht. Es gilt Nachlaßeinheit, d.h. daß Ihr Vater nicht gesondert über sein Vermögen in Deutschland und Griechenland verfügen kann, sondern nur einheitlich. Bei der Übertragung von Immobilien im Erbfalle ist eine Erbschaftsannahmeerklärung erforderlich, diese beläuft sich für im Inland lebende Erben auf 4 Monate, für im Ausland lebende Erben 1 Jahr. In dieser Frist muß die Erklärung abgegeben werden und ggfls. Erbschaftssteuer abgeführt werden, ansonsten drohen Bußgelder. Die Erbschaft an sich gilt jedoch automatisch als angenommen, wenn sie nicht binnen der genannten Frist ausgeschlagen wird.
Eine Schenkung zu Lebzeiten dürfte günstiger sein „goniki parochi“. Allerdings gibt es auch im griechischen Recht natürlich Freibeträge bei der Erbschaftssteuer. Um hier eine Aussage machen zu können, müsste man den Wert des Nachlasses kennen.

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Katarina Müller Juni 30, 2007 at 2:35 pm

Herzlichen Dank für Ihre Auskunft, das hilft mir schon mal weiter. Der Wert der Immobilie steht in einem behördlichen Schriftstück (ich weiss nicht, ob das das Grundbuch ist) mit 42.000 Euro, ein Makler schaetzt es jedoch auf 150.000. Dazu kommen Sachwerte.
Auf welchen Betrag wird der Freibetrag für Erben von 80.000 Euro angerechnet?
Muss ich das Erbe in Deutschland versteuern?
Und würde ein Testament hier helfen? Mein Vater behauptet, er müsste für den Erbfall kein Testament machen.

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Konstantinos Tselepis September 9, 2007 at 2:48 pm

Hallo, Ich heiße Konstantinos Tselepis. Ich brauche Informationen zu meinem möglichen Erbe. Der Erblasser-mein Urgrossvater hat in Griechenland ein Handelsgeschäft sowie Immobilien an seine 3 Kinder-eine darunter war meine Oma vererbt. Diese starb und hatte 2 Kinder-einer davon war mein Vater. Dieser starb auch. Nach meinen jetzigen Informationen müßte ich Anspruch auf den Erbteil meiner Oma bzw. meines Vaters haben. Meine noch lebende Tante sagte mir aber, dass sie rechtlich nichts bekommen hatte, weil der Teil der Oma ihren Brüdern überschrieben wurde und die Oma in keiner der Schriftstücke namentlich aufgeführt wird. Wie kann ich genaue Aufklärung der Verhältnisse bekommen, um zu erfahren ob ich tatsächlich Anspruch habe. Erbrechtlich müßte ich doch Anspruch haben.
Für eine Information zu diesem Fall bedanke ich mich.

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AnwaltsGesellschaft September 10, 2007 at 7:47 am

Gia sou Konstantine,
die Sache ist sicherlich etwas komplizierter als sie auf den ersten Blick scheint. Dazu muß man wissen, dass nach griechischem Recht das Erbe zwar automatisch auf den Berechtigten übergeht, doch im Falle von Immobilien müssen notarielle Erbschaftsannahme- und Steuererklärungen abgegeben, anschließend erfolgt die Titelumschreibung beim Grundbuchamt. Ist dies nicht geschehen und zwar über mehrere Generationen, dann ergeben sich eine Menge Probleme vom Finanzamt bis zur Ersitzung des Erbes durch Dritte, welche die Immobilien nachweislich seit 20 Jahren in Besitz haben.
Es gilt also zunächst zu klären, ob Deine Oma und dein Vater jeweils notarielle Erbschaftsannahmeerklärungen abgegeben haben, ansonsten wäre das nachzuholen. Wenn eine „Überschreibung“ des Anteils der Oma auf die Brüder erfolgt sein sollte, müssten Pflichtteilsansprüche geprüft werden etc. Für eine detaillierte Klärung der Frage werden jedenfalls mehr Informationen benötigt. Gibt es Unterlagen bzw. Infos zu der-den Immobilie(n) ? Du kannst dich gerne an uns wenden, wir prüfen den Sachverhalt zunächst unentgeltlich und unterbreiten einen Vorschlag, wie vorzugehen ist. Danach kannst du dich entscheiden.

Mehr Infos unter http://www.rechtsanwalt.gr

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Panajiotis Karas September 12, 2007 at 5:46 pm

Hallo,ich heisse Panajiotis Karas. Mein Vater verstarb von vor einem Jahr in Griechenland und hinterliess meinen beiden Schwestern und mir einige Immobilien. Folgendes Problem:über eine Teilimmobilie hatte mein Vater keine Kaufsteuer entrichtet, d.h. im Grundbuch ist nach wie vor der Verkäufer eingetragen. Sind nun die Nachkommen verpflichtet diese Kaufsteuer zu bezahlen, um das Erbe antreten zu können oder hätten wir auch die Möglichkeit, auf diese Teilimmobilie zu verzichten, also das Erbe anzutreten ohne diese Teilimmobilie. Für die Beantwortung meines Anliegens wäre ich sehr dankbar.
Mit freundl. Grüssen
Panajiotis Karas

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Bernhard Riedel September 21, 2007 at 1:35 pm

Wir haben auf Kreta ein Ferienhaus seit 1998, es hat uns seinerzeit mit Grundstück – umgerechnet auf Euro – ca.
120.000 Euro gekostet.
Habe die Absicht dies meiner Tochter und meinem Enkel zu gleichen Teilen als Schenkung zu überlassen.
2 x 80.000 € wären ja dann steuerfrei (wenn ich dies richtig verstanden habe) – wenn man die damaligen Investitionskosten zu Grunde legt.
Das Objekt hat jedoch zwischenzeitlich einen entsprechenden Wertzuwachs erfahren.

Meine Frage somit: Bestimmt nun das Finanzamt den momentanen Markt-Wert des Objekt auf Grund einer Schätzung oder anderer Richtwerte.
Oder wie kann der Beschenkte unnötigen steuerlichen Belastungen aus dem Wege gehen.
Ich könnte das Objekt auch auf 3 Beschenkte aufteilen.
(Tochter/Schwiegersohn/Enkel).
Für eine Info wäre ich sehr dankbar

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Ioannis Herrmann September 28, 2007 at 8:47 pm

Mein Vater ist vor 1 1/2 Jahren verstorben.
Leider bekomme ich von meiner Mutter /der Verwandschaft keine Auskünfte über Erbe/Vermögen des Vaters.
Es scheint mir als wollen sie etwas vor mir verheimlichen.
Auf dem Notariat in meiner Stadt habe ich erfahren das kein Testament vorhanden war und die Unterlagen zum Konsulat nach Stuttgart geschickt wurden.
Wie bekomme ich heraus ab überhaupt ein Erbe besteht. In Griechenland steht noch eine Immobilie die die Mutter verkaufen möchte.
Ich fühle mich total hintergangen.
Wie kann ich vorgehen um Klarheit zu bekommen?

Würde wenn nötig auch gerne einen Rechtsanwalt mit einschalten.
Über eine Antwort würde ich mich freuen.

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Karin Maurer Oktober 28, 2007 at 4:45 pm

Erbrecht
Mein Mann ist Grieche, ich bin Deutsche. Wir haben in Griechenland ein gemeinsames Grundstück (auf beide Namen eingetragen). Wir sind am überlegen, ob wir das Grundstück bebauen. Da ich aus erster Ehe 3 Kinder habe würde ich gerne wissen, wer beim Ableben von meinem Mann oder von mir erbberechtigt ist? Ist es sinnvoll, wenn wir beide ein Testament in griechisch verfassen? Muss es notariell beglaubigt werden.
MfG
Karin M.

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AnwaltsGesellschaft Mai 13, 2008 at 9:55 am

Sehr geehrte Frau Maurer,
das Erbstatut Ihres Mannes richtet sich nach dessen Nationalität, also nach griechischem Erbrecht. Ihr Erbstatut richtet sich nach Ihrer Nationalität, also nach deutschem Erbrecht. In beiden Rechtsräumen existiert das Pflichtteilsrecht, mit der Maßgabe, daß es in Griechenland als echtes Erbrecht und nicht als Geldanspruch wie in Deutschland ausgestaltet ist. Nach beiden Rechtssystem erben zunächst Ihre Kinder, bezogen auf den jeweiligen Elternteil, sowie der überlebende Ehegatte. Nach griechischem Recht erbt der überlebende Ehegatte 1/4 und den Rest die Kinder, während der überlebende Ehegatte nach deutschem Recht die Hälfte erbt, wenn die Ehe zum Todeszeitpunkt bestand. Soweit Sie abweichend hiervon etwas regeln möchten, wäre ein Testament sinnvoll. Wir sind gerne bereit, Ihnen dabei gegebenenfalls behilflich zu sein.

http://www.rechtsanwalt.gr

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